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Die
ersten dauerhaften Ansiedlungen reichen bis in die Eisenzeit
zurück und werden durch die zahlreichen archäologischen
Funde der paläovenetischen Kultur dokumentiert. Die
Römer sind im 2. Jh. v.Chr. ins Cadoregebiet gekommen,
und in Pieve, das wahrscheinlich Sitz einer Garnison
war, gab es auf dem Montericco einen dem Gott Mars geweihten
Tempel, auf dem mit der Christianisierung im 5. Jh.
die erste dem Apostel Petrus geweihte christliche Kirche
gebaut wurde, die lange Zeit die einzige im Zentrum
eines Kirchenbezirks war, der das ganze Gebiet Cadore
umfasste. Seit damals wurde Pieve Hauptstadt und Verwaltungszentrum
des Territoriums, eine Rolle, die es jahrhundertelang
immer behalten hat. Nach der longobardischen und fränkischen
Herrschaft gehörte das Gebiet von Cadore im Jahr 787
kirchlich zum Patriarchat von Aquileia; fast sicher
wurde im 11.Jh. im Zentrum von Pieve eine neue Kirche
gebaut, die den Titel "Matrice" annahm und der Heiligen
Maria gewidmet wurde - und es wurde das Schloss von
Pieve gebaut. Gleichzeitig bildete sich eine lokale
Verwaltungsorganisation: in einem Dokument aus dem Jahr
1199 erscheinen in der Tat die Figuren des "marigo"
und der Regole, die Grundlagen der zukünftigen Verwaltungsstruktur
der Magnifica Comunità. In der gleichen Zeit entstand
die kirchliche Institution des Archidiakonates, während
die Pfarrkirche die einzige Taufkirche in Cadore blieb.
Nach dem Ende der Herrschaft der Herren von Camino im
Jahr 1337 änderte sich das politische und soziale Leben,
und die Cadoriner schrieben ihr neues Statut, dem vom
Patriarchen und von Karl von Luxemburg, unter dessen
Schutz sich das Cadore gestellt hatte, zugestimmt wurde.
Das Recht, die ersten Statuten zu behalten, wurde auch
von der Serenissima anerkannt, der sich die Cadoriner
im Jahr 1420 unterwarfen und dafür verschiedene Privilegien
bekamen; im Jahr 1444 begannen die Arbeiten für den
Bau des Palazzo della Magnifica Comunità. Der vom Venetischen
Senat gewählte Hauptmann, welcher die vollziehende Gewalt
und das militärische Kommando innehatte, wohnte im Schloss
von Pieve. Mit der Machtübernahme von Maximilian I von
Habsburg in Tirol wurden das Schloss von Pieve und verschiedene
Ortschaften des Cadore mit Feuer und Schwert verheert;
im Jahr 1508 besiegten die Cadoriner und die Venezianer
die Kaiserlichen in der Schlacht von Rusecco. 1511 wurde
das Schloss wiederum von den Deutschen erobert, die
das Statut von Cadore beschlagnahmten - und trotz der
vielen Versuche, es zurück zu bekommen, ist es seitdem
nicht mehr zurückgegeben worden (heute wird es in Innsbruck
aufbewahrt). Die lange Friedenszeit, die 1516 begann
und mit der napoleonischen Invasion 1797 endete, begünstigte
die wirtschaftliche Entwicklung von Pieve und die daraus
folgende Entstehung einer Klasse von Händlern, die vorherrschend
wurde, und aus der die Verwalter und die kirchlichen
Exponenten kamen, der es jedoch nie gelang, adelig zu
werden, weil das Statut keinen Adelstitel vorsah. Von
der zweiten Hälfte des 16.Jh.s an bekam Pieve ein anderes
Gesicht dank des aus dem Holzhandel stammenden Reichtums
einiger Familien, die Steinhäuser venetischer Typologie
errichten liessen. Der französischen Beherrschung folgte
ab 1797 die österreichische, eine Zeit von Hungersnot,
Epidemien und unsicheren wirtschaftlichen Verältnissen.
Mit dem Wiener Kongress (1815) wurde das Cadore Teil
des Reiches Lombardo-Venetien; der Wirtschaftsaufschwung
beginnt gleichzeitig mit der Neuordnung des Territoriums:
man baut die Alemagna Strasse, die das Pustertal mit
der venetischen Ebene verbindet. Im Jahr 1848 beschlossen
die Cadoriner, sich auf die Seite der Venezianer gegen
die Österreicher zu stellen: fast viertausend Männer
stellten sich unter den Befehl von Pietro Fortunato
Calvi. Für das heroische Verhalten während dieser Ereignisse
wird die Gemeinde mit der goldenen Tapferkeitsmedaille
ausgezeichnet werden. Nach der Annexion des Cadore an
Italien (1866), werden am Ende des Jahrhunderts in Pieve
Zeitschriften und Zeitungen gegründet - unter anderem
"Il Gazzettino" im Jahr 1887 von G.P.Talamini -, und
der Ort wird ein bekannter Fremdenverkehrsort (unter
seinen Gästen auch Giosuè Carducci); die folgende Wirtschaftskrise
zwingt jedoch viele Cadoriner zur Auswanderung. Während
des Ersten Weltkrieges wurde von den Österreichern die
Festung von Monte Ricco zerstört, die auf den Überresten
des antiken Schlosses aufgebaut worden war; nach dem
Krieg wurden neue öffentliche Arbeiten in Angriff genommen,
unter anderem der Bau des "trenino delle Dolomiti",
der Calalzo mit Toblach verband und von 1920 bis 1964
in Betrieb war. Mit dem Anbruch des Faschismus wurde
ein Recht abgeschaffen, das jahrhundetelang von den
Bürgermeistern des Cadore ausgeübt worden war: das Recht,
die eigenen Vertreter bei der Magnifica Comunità zu
wählen, während die wiederkehrende Wirtschaftskrise
neuerlich zur Emigration führte, die bis in die Sechziger
Jahre dauern wird. Während des Zweiten Weltkrieges gehörte
Pieve nach dem 8. September zum hitlerischen Alpenvorland;
es entstanden die ersten Partisanenverbände, die den
Namen "Brigata Calvi" in Erinnerung an den tapferen
Freiheitskämpfer annahmen. Während der letzten dreissig
Jahre des 20.Jh.s setzt im Cadore die Entwicklung der
Brillenindustrie ein, welche die Zentralität des Städtchens
wieder bestätigt, das das Krankenhaus, die Oberschulen,
Fachschulen, den Handelsverkehr, die Organisationen
der Freiwilligen beherbergt. Der Palazzo der Magnifica
Comunità mit dem archäologischen Museum, das Geburtshaus
von Tizian, das Haus von Tiziano l'Oratore sind zusammen
mit der Archidiakonatskirche von Santa Maria Nascente
und dem Brillenmuseum die wichtigsten Punkte des kulturellen
Angebotes, das Pieve zusammen mit der Schönheit der
Natur und der Gastfreundschaft seiner Einwohner für
seine Besucher bereithält.
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